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Was tun, wenn das Gewicht nicht (weiter) runtergeht?

Wenn der Entschluss zum Abnehmen mal gefasst ist, dann wollen viele mit dem Kopf durch die Wand. Dann muss es jetzt sofort sein, dann wird radikal die Ernährung umgestellt, dann wird gesportelt, (fast) bis zum Umfallen. Warum?

Der Gedanke hinter dieser Vorgehensweise ist, erstmal muss das Gewicht runter, und dann sehen wir weiter. Alles andere wird ignoriert, für unwichtig erklärt. Dieses Prinzip, nur ans Gewicht zu denken, dabei ungeduldig und zu jeder radikalen Maßnahme bereit zu sein, bezeichne ich als Diät-Prinzip. Es funktioniert nicht. Es führt dazu, dass das Gewicht eine Zeitlang sinkt, und dann passiert nichts mehr, egal, was man dann noch tut. Der Körper passt sich an, er gibt nichts mehr her, er senkt seinen Verbrauch und fällt in einen Sparmodus, der eine weitere Gewichtsreduktion erstmal unmöglich macht.

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Je schneller man zunächst abgenommen hatte, umso heftiger trifft einen der Gewichtsstillstand. Manche nehmen auch langsam wieder zu, obwohl sie ihre radikale Diät oder Ernährungsumstellung weitermachen. So mancher versteht die Welt nicht mehr. Die verzweifelte Frage, was man denn noch tun kann, bleibt unbeantwortet. Man kann nichts tun. Man muss das aushalten.

Diese Tatsachen sind den meisten bekannt, vielen auch aus eigener leidvoller Erfahrung. Trotzdem versuchen sie es immer wieder, immer wieder mit den gleichen Methoden. Variiert wird nur in den Details, das Prinzip bleibt gleich. Immer wieder. Was immer wieder zum gleichen Ergebnis führt.

Sicher würde nach einiger Zeit das Gewicht nochmal runtergehen, wenn man so weitermachen würde, aber genau das geht ja nicht. Denn längst ist der Heißhunger ein ständiger Begleiter, längst hat das Zuviel an Sport zu Wehwehchen und echten Schmerzen, vielleicht sogar Verletzungen geführt, die auch nicht so einfach von selbst wieder weggehen.

Aber auch wer vernünftig, langsam abgenommen hat, erlebt den Gewichtsstillstand. Das kann viele Ursachen haben, es hilft, sich ein wenig zu informieren, hier zum Beispiel. Wer langsam, vernünftig abnimmt, kann einfach so weitermachen, und dann wird es irgendwann wieder weitergehen. Das ist der Unterschied. Wer mit dem Kopf durch die Wand will, kann eben nicht immer so weitermachen. Muss also etwas ändern.

Jeder der abnimmt, kennt das Phänomen. Das Gewicht stagniert, Verzweiflung macht sich breit, die Überzeugung, dass das nicht sein kann. Denn schließlich müsste das rechnerische Kaloriendefizit eigentlich schon längst zu einer deutlichen Gewichtsreduktion geführt haben. Und vorher ging es doch auch, man hat doch schon diverse Kilos verloren. Warum geht es jetzt nicht weiter? Wenn auch mehrfach wiederholtes Wiegen zu dem immer gleichen Ergebnis führt, dass der Körper sich nicht an das hält, was ihm vorgerechnet wird, dann kommt es schnell zur Resignation, zum Aufgeben, zu der Überzeugung, dass das alles ja sowieso keinen Zweck hat. Und schon geht das Gewicht rauf, meistens schnell und deutlich.

So kann es also nicht weitergehen. Aber wie sonst?

Trotz des dringenden Bedürfnisses, möglichst schnell zu handeln, den unerträglichen Zustand so schnell wie möglich aufzulösen, hilft blinder Aktionismus nicht. Der macht alles nur noch schlimmer. Stattdessen hilft es, sich seine Situation wirklich klar zu machen, sie mal von unterschiedlichen Positionen aus zu betrachten, und sich dann zu überlegen, was man sonst noch tun könnte. Starrköpfig zu behaupten, dass man alles schon probiert hätte, hilft jedenfalls nicht weiter.

Der derzeitige Standpunkt als Ausgangspunkt der Überlegungen

Wer damit anfängt, sich Gedanken zu machen, statt blind loszurennen, der startet natürlich etwas langsamer, dafür aber in der richtigen Richtung. Das führt schneller ans Ziel als ein rasanter Start und ein Spurt in die verkehrte Richtung. Die Richtung, in der man sich bisher bewegt hatte, war offenbar nicht die richtige, zu der Erkenntnis sollte man sich durchringen. Dass es eine Zeitlang funktioniert hatte, ist kein Argument, denn es funktioniert eben nicht mehr. Dass einem nichts anderes einfällt, ist auch kein Argument, denn man hat ja bisher immer nur in eine Richtung gedacht.

Es hilft, damit zu beginnen, dass man sich klarmacht, was im Moment genau der Fall ist. Sich darauf zurückzuziehen, dass man eben versagt hat, ist zum einen falsch und zum anderen nicht hilfreich. Besser ist, sich klarzumachen, was genau, welche Handlungsweisen, welche Umstände zu welchem Ergebnis geführt haben. Daraus kann man dann Schlüsse ziehen und dann wird einem auch etwas Neues einfallen, was man noch nicht ausprobiert hatte.

Die radikale Vorgehensweise, bei der das Abnehmen so schnell wie möglich hinter sich gebracht werden sollte, hat in eine Sackgasse geführt. Man hat gerade Lust, alles hinzuschmeißen, möchte jedenfalls erstmal nichts von Abnehmen hören und schon garnicht darüber nachdenken, darüber reden oder darüber schreiben. Jeder kennt Abnehmblogs, die auf einmal nicht mehr weitergeführt werden. Jeder kennt Menschen, die abgenommen haben, ständig von ihren Erfolgen berichtet haben und nun auf einmal verstummt sind. Und jetzt befindet man sich selbst an genau diesem Punkt.

Man kann es ganz brutal sagen, das ist der Punkt, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Wer jetzt einsieht, dass es so nicht mehr weitergeht, wer jetzt umdenkt und auf eine vernünftige Abnehmmethode umstellt, der hat eine reelle Chance, dass es diesmal doch klappen wird. Wer aber jetzt aufgibt, oder auch wer versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und um jeden Preis, mit noch weniger essen, mit noch mehr Sport, vielleicht sogar mit diversen Hilfsmittelchen, doch noch das Gewicht in die Knie zu zwingen, der wird lernen müssen, dass sein Körper stärker ist als er selber, dass man den nicht mit Gewalt bezwingen kann.

Wenn man es auf einmal absolut nicht mehr schafft, den inneren Schweinehund zu besiegen, dann sollte man auch mal die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass man sich überfordert hat und der Körper jetzt die Notbremse zieht. Das muss nicht bei jedem so sein, aber es hilft ungemein, die Möglichkeit mal in Betracht zu ziehen, mal drüber nachzudenken. Es ist zu einfach, sich als Versager zu fühlen. Versagt hat man erst dann, wenn man sich weitert, aus Misserfolgen etwas zu lernen.

In jedem Fall nützt es nichts, einfach aufzugeben, in die alten Gewohnheiten zurückzufallen, bis zum nächsten, genauso unvernünftigen Versuch. Viele wissen das im Grunde, haben sie doch schon viele bis unzählige derartige Versuche hinter sich. Die radikale Methode führt nicht zum Ziel, auch dann nicht, wenn man sie jetzt als Ernährungsumstellung bezeichnet. Solange man immer noch dasselbe tut wie zu den Zeiten, als das noch Diät hieß, wird sich nichts ändern. Auf den anfänglichen Elan folgen Rückschläge und Verzweiflung. Alles wie gehabt. Wer das nicht nochmal braucht, der sollte sich vielleicht doch mit dem Gedanken anfreunden, es diesmal vernünftig, also langsam angehen zu lassen. Die Ernährung wirklich dauerhaft umstellen, so, dass das auf Dauer tatsächlich geht. Sport machen, aber in vernünftigem Rahmen, so dass sich die Fitness wirklich verbessert, ohne Schmerzen und Verletzungen.

Ab jetzt wird alles anders

Wem jetzt also klargeworden ist, dass er bisher immer dasselbe Prinzip angewendet hat, trotz der vielen unterschiedlichen Diäten und Ernährungsumstellungen, der ist bereit für ein neues, anderes Prinzip. Für das Prinzip langsames, vernünftiges Abnehmen.

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Die wichtigste Tätigkeit dabei ist das Nachdenken. Die Ernährung wirklich umstellen, so, dass man die neue Ernährungsweise tatsächlich durchhalten kann. Sport so dosieren, dass er wirklich zu einer Verbesserung der Fitness führt, nicht zu neuer Quälerei. Diese Dinge lassen sich erreichen, wenn man nicht sofort anfängt, sondern erstmal überlegt.

Gewichtsreduktion wird sich dann in einem zweiten Schritt einstellen. Eine Verbesserung des Wohlbefindens dagegen sofort. Wer dazu bereit ist, wer bereit ist, die Waage erstmal wegzustellen, sich stattdessen auf sein Verhalten und sein Wohlergehen zu konzentrieren, der wird am Ende gewinnen, auch wenn der Weg weit sein wird. Wohin die Abkürzungen führen, ist ja inzwischen hinlänglich bekannt.

Beobachten und Nachdenken führt zu vielen Erkenntnissen. Wenn man zuwenig isst, bekommt man Heißhunger, isst also im Endeffekt zuviel, ist so eine Erkenntnis. Daraus kann man jetzt lernen, nicht zuwenig zu essen, den Heißhunger zu vermeiden und dadurch vielleicht zunächst mal nur das Gewicht zu halten. In einem zweiten Schritt kann man dann versuchen, ob man nicht doch mit ein klein wenig weniger Nahrung auskommt, ohne Heißhunger. Je nachdem, was man isst. Wer diese Geduld aufbringt, wer hier ein wenig experimentiert, der wird am Ende abnehmen, langsam zwar, aber dafür ohne Rückfall, ohne JoJo-Effekt, ohne Verzicht und ohne Verzweiflung. Das fühlt sich letzten Endes viel besser an.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass zuviel Sport nicht fit und schlank macht, sondern müde und schlapp. Man wird immer langsamer, immer unfitter. Man sollte daraus lernen, dass weniger oft mehr ist. Viel hilft viel, ist beim Sport nicht richtig, das richtige Maß führt zum Ziel.

Noch eine Erkenntnis ist, dass man oft aus den unterschiedlichsten Gründen isst, nicht nur aus Hunger. Auch hier hilft Nachdenken. Warum mache ich das? Was könnte ich stattdessen tun? Was würde mir in der jeweiligen Situation mehr helfen als essen?

Nachdenken sollte man auch über seine Ziele. Das herrschende Schönheitsideal ist tatsächlich für die meisten nicht zu erreichen. Warum sollte man sich weiterhin verrückt machen für etwas, was ohnehin nicht geht? Die Idee, man könnte sich sein Gewicht frei wählen, ist weit verbreitet, aber falsch. Der Körper stellt das für ihn beste Gewicht ein, wer unbedingt weniger wiegen möchte, wählt Quälerei und Einschränkung, ständigen Kampf gegen den Körper, der letzten Endes dann doch immer wieder gewinnt. Abnehmen hilft tatsächlich nur dann, wenn man wirklich zu dick ist. Wer sich nur zu dick fühlt, obwohl er es nicht ist, hat andere Probleme, die durch Abnehmversuche nicht kleiner werden.

Wenn Nachdenken zu der Erkenntnis führt, dass man in Wirklichkeit garnicht abnehmen möchte, dann ist das auch ein Ergebnis. Dann ist das so. Man muss nicht abnehmen, man kann abnehmen, wenn man das möchte. Das ist nicht dasselbe.

Wer seine Ernährung so umstellt, dass er sich immer gesünder ernährt, wer nach und nach mehr Bewegung und Sport in sein Leben bringt, der wird sein Wohlbefinden verbessern, ganz egal, wieviel er dann wiegen wird. Wer sein Selbstbewusstsein verbessert, an sich arbeitet, sich nicht mehr vom (vermeintlichen) Urteil Anderer abhängig macht, der wird, obwohl oder doch eher weil das Abnehmen dann nicht mehr so wichtig ist, dann auch beobachten können, wie sich sein Körpergewicht in die richtige Richtung verändert.

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