Abnehmkurs: Süßes abgewöhnen

Zuckersucht - Süßes kann man sich abgewöhnen
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5 Minuten
Astrid Kurbjuweit

Eins der größten Hindernisse auf dem Weg zur schlanken Linie sind die Süßigkeiten. Zucker macht dick, das lässt sich kaum leugnen. Wer es also schafft, seinen Süßigkeiten- oder Zuckerkonsum weitgehend zu beschränken, der ist seinem Ziel ein großes Stück näher gekommen.

Der Grund dafür liegt nicht nur in den vielen Kalorien, die man mit den Süßigkeiten zu sich nimmt. Zucker hat auch die dumme Eigenschaft, dass er nicht satt, sondern hungrig macht. Man bekommt also nicht nur die vielen Zuckerkalorien, sondern hinterher auch noch Hunger, oft sogar Heißhunger. Zusammengenommen ist es dann ganz schnell viel zuviel. Zuviel Zucker, zuviel Fett, zuviele Kalorien. Allerdings ist es unter anderem diese Wirkung, die es so schwer macht, von den Süßigkeiten wieder loszukommen. Denn gegen großen Hunger wirkt Süßes einfach am schnellsten, auch wenn die Wirkung nicht sehr lange anhält und man dann schon wieder etwas Süßes braucht.

Die entstehenden Teufelskreise geben manchem das Gefühl, geradezu süchtig nach Zucker zu sein. Diese Befürchtung ist allerdings unbegründet, anders als echte Süchte kann man sich den Zucker mit etwas Planung und Überlegung recht einfach selbst wieder abgewöhnen, wie man hier nachlesen kann.

Wenn man das geschafft hat, dann passiert etwas, was man sich vorher gar nicht vorstellen konnte: Es schmeckt nicht mehr.

Es sollte also nicht darum gehen, eisern den größten Genüssen zu widerstehen, das schafft sowieso niemand. Auch wenn man sich bei dem Gedanken irgendwie heroisch vorkommt. Es hat keinen Zweck. Stattdessen sollte man diesen Zustand anstreben, in dem die süßen Sachen ihre Attraktivität einfach verlieren, so dass man sie gar nicht mehr essen will. Niemand kann diesen Zustand besser beschreiben, als jemand, der gerade unerwartet in ihn eingetreten ist. Es fühlt sich ein bisschen enttäuschend an, denn der erwartete Genuss, er tritt einfach nicht ein. Man will sich etwas Gutes gönnen, und es geht nicht.

Tatsächlich ist das ein ganz großer Sieg, denn wenn das Süße nicht mehr schmeckt, dann spart man sich nicht nur unglaublich viele nährstofffreie Kalorien, man spart vor allem sehr viel Stress und schlechtes Gewissen. Dadurch gewinnt man Energie und Gelassenheit für die Aufgaben, die noch vor einem liegen. Und natürlich lebt man viel gesünder, wenn man keine Süßigkeiten, sondern stattdessen mehr gesunde Lebensmittel isst. Was gar nicht so schwer ist, denn so gut wie alles ist gesünder als ausgerechnet Süßigkeiten.

Ziele klug wählen

Es ist also eine gute Idee, sich nicht vorzunehmen, besonders streng mit sich zu sein, sich alles zu verbieten, was süß ist, und dann mit besonderer Disziplin eisern durchzuhalten. Das haben schon viele versucht, alle sind früher oder später damit gescheitert. Sondern es ist viel besser, dafür zu sorgen, dass es einem gut geht, dass man die Dinge bekommt, die man gerne haben möchte. Nur eben mit der Einschränkung, dass man anstrebt, andere Dinge haben zu wollen.

Wenn man sich vornimmt, von den süßen Sachen wegkommen zu wollen, dann ist es eine gute Idee, sich nichts vorzumachen. Der süße Geschmack ist ein Indikator für die vielen Kalorien, für die ganz bestimmte Wirkung auf den Blutzuckerspiegel mit allen ihren Auswirkungen. Zucker wirkt im Gehirn wie eine Belohnung. Das kann man nicht durch kalorienfreie Süße ersetzen. Wer also wirklich von der süßen Verlockung wegkommen möchte, der sollte ehrlich sein, wenn süß, dann auch Zucker. Oder Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup oder was auch immer. Aber jedenfalls keine künstlichen Süßstoffe, auch kein Stevia. Nichts, was keine Kalorien hat.

Denn man kann sich oder seinem Körper auch beibringen, dass Süßes keine Kalorien hat. Das führt nicht dazu, dass man weniger davon isst, sondern mehr. Und die üblichen, zuckerhaltigen Süßigkeiten liegen immer noch überall rum. Solange man das Süße gern mag, solange wird es schwer sein, der Versuchung zu widerstehen.

Es ist eine Frage der Ziele. Wenn man dahin kommen möchte, dass einem das Süße nicht mehr schmeckt, nicht mehr den bekannten Genuss vermittelt, dann ist das etwas anderes, als wenn man eigentlich doch immer noch Süßes genießen möchte, nur bitte ohne die dicken Konsequenzen. Wenn man sich ganz klar macht, was das eigene Ziel ist, dann ergibt sich daraus auch die eigene Handlungsweise.

Wenn man Schwierigkeiten dabei hat, sich vorzustellen, dass man einmal etwas anderes bevorzugen wird, dass man einmal das Süße nicht mehr mögen wird, dann hilft es bestimmt, mit jemand anderem darüber zu reden. Vorzugsweise mit jemandem, der nicht gerade selbst der „Zuckersucht“ verfallen ist. Man wird auch nicht gleich ein anderer Mensch, wenn man ein paar seiner Vorlieben verändert. Es ist wichtig, hier Klarheit zu schaffen, denn die Veränderung funktioniert nur, wenn man sich wirklich drauf einlässt. Man muss es wirklich wollen.

Wege zum Ziel

Zucker hat eine Belohnungsfunktion. Wenn man etwas Süßes isst, dann fühlt man sich einen Moment lang richtig gut, oder jedenfalls besser als vorher. Deshalb ist es oft gerade dann besonders schwer, dem Süßen zu widerstehen, wenn man Stress, Ärger oder anderen negativen Emotionen ausgesetzt ist, wenn es einem eben nicht besonders gut geht. Es ist Illusion, zu glauben, man könnte einfach so auf diese Belohnung verzichten. Man muss sich etwas anderes überlegen, was diese Rolle übernehmen kann. Das ist eine sehr individuelle Überlegung, jeder braucht etwas anderes, jedem tut etwas anderes gut. Natürlich kommt es auch auf die jeweilige Situation an. Bedenken sollte man, dass der Zucker sofort belohnend wirkt, während das schlechte Gewissen, oder auch die dickmachende Wirkung, erst später einsetzen. Es wird nicht wirken, wenn man sich auf diese späteren Wirkungen vertröstet. Das kann zwar unterstützend wirken, reicht aber nicht aus, die Belohnung durch den Zucker zu ersetzen.

Man sollte sich klarmachen, dass es der Zucker ist, oder jedenfalls die leichtverdaulichen Kohlenhydrate, die die belohnende Wirkung haben. Weißbrot und ähnliches Gebäck kann sehr ähnlich wirken, auch wenn es nicht süß ist. Dasselbe gilt für Glucosesirup, der weniger süß ist als Zucker, aber genausoviele Kalorien hat. Und kalorienfreie Süßstoffe schmecken zwar süß, haben aber nicht die belohnende Wirkung.

Zielführend bei der Suche nach der Ersatz-Belohnung ist dabei die Frage, was einem tatsächlich gut tut, nicht die, was einem gut tun sollte. Es wird also kaum die beabsichtigte Wirkung haben, wenn man die süßen Sachen durch rohe Möhren ersetzt. Die sind zwar tatsächlich gesünder, was sie langfristig natürlich zur besseren Wahl macht. Aber es wird etwas gesucht, was jetzt sofort wie eine Belohnung wirkt.

Diese Überlegung fällt vielen schwer, viele haben stattdessen die Tendenz, sich für ihr Übergewicht zu bestrafen. Jedenfalls sehen sie keinen Anlass für Belohnungen. Man sollte sich klar darüber werden, ob man auch zu denen gehört, die meinen, sie dürften sich nicht belohnen, die es aber doch ständig tun, indem sie Süßigkeiten essen. Wenn man sich klar macht, dass man sich damit selbst im Weg steht, kann man davon wegkommen.

Für viele ist es unvorstellbar, aber ein möglicher Kandidat für die gesuchte Belohnung ist Bewegung. Bewegung führt zur Ausschüttung von Glückshormonen, was auch wie eine Belohnung wirkt. Es ist also ganz wichtig, Sport und Bewegung individuell richtig zu dosieren, denn mit Quälerei werden ganz sicher keine Glückshormone freigesetzt. Auch fortgesetztes Anstarren der Kalorienverbrauchsanzeige führt eher nicht zum angestrebten guten Gefühl. Man muss ein wenig ausprobieren, was einem tatsächlich gut tut.

Jedenfalls kann man hier zwei Ziele miteinander verbinden. Man kann eine Alternative zu den Süßigkeiten finden und gleichzeitig so Sport machen, dass es langfristig den größten Erfolg verspricht. Mehr dazu in der vorvorherigen Lektion des Abnehmkurses: Sport- das richtige Maß.

Nicht zuwenig essen

Wer auf Süßigkeiten verzichtet, verzichtet dadurch oft auf einen Großteil der bisherigen täglichen Kalorienaufnahme. Es ist wichtig, nicht zuwenig zu essen. Wahrscheinlich muss man also zumindest einen Teil der Süßigkeiten durch andere Lebensmittel ersetzen. Egal, was man nimmt, die Ernährung wird besser, gesünder werden. Strenger Verzicht ist nicht zielführend, das gibt bloß Hunger, der Lebensqualität stiehlt, den Grundumsatz absenkt und jedenfalls nicht zu einer Verbesserung der Ernährung führt.

Es ist wichtig, so zu essen, dass man den größten Teil des Tages satt ist. Das vermeidet den gefürchteten Blutzuckerabfall, der die Lust auf Süßes auslöst. Wenn der Hunger doch kommt, dann ist es besser, rechtzeitig etwas zu essen, zum Beispiel etwas, was Kohlenhydrate und Ballaststoffe enthält, wie zum Beispiel Vollkornbrot. Das vermeidet den Heißhunger, der dann doch wieder zu Schokolade und ähnlichem treibt.

Auch wenn es zur Zeit modern ist, wenig Kohlenhydrate zu essen, so ist es doch besser, regelmäßig gesunde Lebensmittel wie Vollkornbrot, andere Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte zu essen, als den ganzen Tag standhaft zu verzichten und abends dann bei den süßen Sachen schwach zu werden.

Besser gesunde Kohlenhydrate als Süßigkeiten. Man kann, wenn man genügend Kohlenhydrate isst, den Süßhunger (fast) ganz zum Verschwinden bringen. Dadurch verliert man nicht nur Körpergewicht, man gewinnt auch an Lebensqualität. Die Versorgung mit Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und ähnlichem wird besser, auch das verringert die Wahrscheinlichkeit von Heißhungeranfällen. Ballaststoffe sorgen für eine gute Verdauung, was sich auch auf das Wohlbefinden auswirkt.

Vollständiger Verzicht ist nicht nötig

Es ist nicht notwendig, vollständig auf Süßes zu verzichten. Vor allem zu Anfang der Umstellung ist es auch nicht sinnvoll. Nach und nach weniger Zucker zu verwenden geht gut, wenn man Süßigkeiten selbst herstellt. Irgendwann werden einem die üblichen, käuflichen Süßigkeiten nicht mehr schmecken, werden viel zu süß sein. Dann kann man sie getrost vergessen.

Und wenn es immer noch etwas gibt, was einem als besonderer Genuss im Kopf herumspukt, dann darf es das auch gelegentlich mal geben. Aber nicht im Gehen nebenbei, sondern am schön gedeckten Tisch, in aller Ruhe.

Zur neunten Folge des Abnehmkurses: Hindernisse beseitigen

4 Kommentare

  1. Hallo,

    hätte ich diesen Bericht früher gelesen hätte ich wahrscheinlich gesagt „ja ne is klar “
    Aber ich muss sagen es stimmt ! Bei mir ist es nämlich so das ich seit einiger Zeit meinen Zucker und Süßigkeitenkonsum einschränke .Und jetzt wenn ich mir mal was „Gutes “
    tun möchte stelle ich fest ES SCHMECKT NICHT ! Viel zu süß,hätte ich vorher nicht gedacht .

    • Man kann sich trotzdem gelegentlich was Gutes tun, und es darf auch mal süß sein. Man muss es nur halt selbst herstellen, mit deutlich weniger Zucker. Dadurch kann man eine Menge neue Geschmacksrichtungen kennenlernen, die alle nur ein bisschen süß sind, vor allem aber nach etwas ganz anderem, ganz Besonderem schmecken. Ganz anders als die industriell gefertigten Süßwaren, die im Grunde alle gleich schmecken. Der Weg zu echtem Genuss ist jetzt frei!

  2. Hallöle,
    Ich bin gerade dabei die ganze Schokolade zu verbannen. Ich habe zwar schon 12kg abgenommen , aber das könnten noch 5kg mehr sein. Ich esse dann keine Schokolade sondern Obst oder die kleinen Baby-Möhren
    Meine Frage an euch, ich muß seit 8 Jahren Morphium nehmen , kann das sein das ich durch das Morphium soviel süßes esse und Appetit habe. Denn herzhaftes essen da Ekel ich mich manchmal und bei süßem nicht.

    • Hallo Gudrun,
      Morphium oder Morphin? Bei Medikamentennebenwirkungen ist es besser, einen Arzt zu fragen.
      Aber grundsätzlich sind die süßen Sachen fies. Die machen Appetit auf mehr davon, ganz ohne Medikamente. Dein Weg ist also der richtige.

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