Inspiration zum Kochen kommt beim Gemüse schneiden
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6 Minuten
Astrid Kurbjuweit

Es geht weiter mit Sabienes Blogparade. Woher kommt die Inspiration beim Kochen? Wer kocht, was soll gekocht werden, und warum? Wie immer, werde ich die Fragen mit Bezug auf Abnehmen und Gewichthalten diskutieren.

Selber kochen macht schlank

Das ist die erste Feststellung, die man im Zusammenhang von Kochen und Abnehmen treffen muss: selber kochen macht schlank! Wer selbst kocht, weiß nicht nur, was im Essen drin ist, sondern kann es auch selbst beeinflussen. Zu beobachten ist da allerdings immer noch ein deutlicher Geschlechterunterschied. Frauen kochen immer noch viel häufiger als Männer. Und tatsächlich sind Frauen im Durchschnitt auch schlanker als Männer. Ob das wirklich nur am selbst Kochen liegt oder auch noch andere Gründe hat, sei dahingestellt, aber es gibt einen Zusammenhang. Wer selbst kocht, ist im Vorteil.

Natürlich reicht es nicht aus, einfach zu kochen, und schon wird man schlank. Aber wenn man es selbst tut, dann kann man sich überlegen, was man kochen möchte, wie man es kochen möchte, welche Zutaten man nimmt, ob man alles selbst macht oder sich von ein paar Helferlein die Arbeit erleichtern lässt, wieviel von welcher Zutat ins Essen reinkommt. Wer selbst kocht, handelt eigenverantwortlich. Wer selbst kocht, kann Essen besser beurteilen, auch dann, wenn er es gerade nicht selbst gekocht hat. Man profitiert also auch dann, wenn man nur gelegentlich selbst kocht.

Wer selbst kocht, tut etwas ganz wichtiges, er beschäftigt sich gedanklich mit seinem Essen. Sich mit dem Essen beschäftigen, sich aufs Essen freuen, schonmal den Geruch aufnehmen, sich den kommenden Genuss schonmal vorstellen, das macht, wenn auch nur indirekt, tatsächlich schlank. Denn es nimmt viel von dem angenehmen Gefühl, das das Essen vermittelt, vorweg und vermeidet dadurch, dass man mehr isst, als gut für einen ist.

Selber kochen hat aber noch mehr Vorteile. Selber kochen zwingt zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Essen. Wer ohne Aufmerksamkeit nebenbei isst, der hat das größte Risiko, zuviel zu essen, ohne es zu merken. Kochen führt dazu, dass dem Essen mehr Aufmerksamkeit zukommt.

Selbst gekochtes Essen ist billiger als Fertigessen, billiger als Restaurantbesuche sowieso. Das gibt mehr Spielraum für hochwertige Zutaten. Die Qualität des Essens ist bei gleichem Preis viel besser, beziehungsweise man bekommt etwas gleichwertiges für viel weniger Geld.

Diätgerichte oder „normales“ Essen?

Wer abnehmen möchte, glaubt oft, er müsste spezielle Gerichte kochen, extra zum Abnehmen. Das ist nicht der Fall. Empfehlenswert ist gesundes Essen, nicht zu fettreich, ohne einseitige Bevorzugung einzelner Nährstoffe, möglichst vielseitig, aus möglichst frischen Zutaten, in nicht zu großer Menge. Genau wie für alle anderen Menschen auch.

Es braucht also keine spezielle Diätküche. Man kann sich seine Inspiration zum Kochen überall da holen, wo man sie sich sonst auch holen würde.

Viel wichtiger ist ein kritischer Blick fürs Detail. Das fängt mit der Frage an, was man denn gerne essen möchte. Wer sich das kocht, was er wirklich in der Situation am liebsten essen möchte, der macht alles richtig. Wenn einem jetzt ein siebengängiges Menu einfällt, dann ist es natürlich eine gute Idee, das auf die ganze Woche zu verteilen. Man kann lernen, sich zu entscheiden, nicht alles jetzt sofort haben zu müssen. Das hilft dann auch beim Abnehmen.

Ansonsten ist es tatsächlich gut, das was man sich wünscht, tatsächlich in die Tat umzusetzen, es muss ja nicht immer jetzt sofort sein. Aufwendigere Gerichte kocht man dann vielleicht besser am Wochenende oder wenn man sonst mal Zeit hat. Bei genauer Betrachtung wird man allerdings oft feststellen, dass die eigenen Wünsche durchaus realisierbar sind.

Natürlich gibt es ein paar Randbedingungen, die zumindest öfter mal erfüllt sein sollten, damit das mit dem Abnehmen klappt. Vor allem zu große Mengen Fett können schnell dazu führen, dass das Gewicht stagniert oder sogar ansteigt. Aber auch das ist ein Vorteil beim Selberkochen: Man kann selbst entscheiden, wieviel Fett man ins Essen tut. Fettfrei ist jedenfalls auch keine Lösung, abgesehen davon, dass darunter auch der gute Geschmack leiden würde.

Man muss ja nicht jedes Rezept exakt nachkochen, ein bisschen selber überlegen macht so gut wie jedes Rezept abnehmtauglich.

Was soll ich kochen?

Auch wenn es also „normales“ Essen sein darf, ist damit die Frage nach dem konkreten Gericht, das heute gekocht werden soll, noch nicht beantwortet. Wo bekommt man also seine Inspiration her? Oft fängt es mit einem diffusen Gefühl an. Etwas mit Fisch, etwas mit Erbsen, etwas mit … , was auch immer einem gerade einfällt.

Wenn einem nichts einfällt, dann kann man mal gucken, was gerade noch im Kühlschrank ist, oder was im Moment gerade Saison hat. Im Winter oder frühen Frühjahr bieten sich zum Beispiel Wintergemüse wie Kohl, Möhren, Porree oder Lauch, Zwiebeln und ähnliches an. Oder auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen. Deftige Eintöpfe müssen keineswegs Kalorienbomben sein, es kommt wie immer drauf an, was man reintut. Die Hülsenfrüchte sind jedenfalls ziemlich ideal zum Abnehmen, nährstoffreich und lange sättigend.

Wenn man einen Ausgangspunkt für die Überlegungen gefunden hat, dann helfen Kochbücher oder das Internet weiter. Natürlich kann man auch damit beginnen, dass man etwas blättert und sich inspirieren lässt, mehr oder weniger zufällig. Wenn man ein Rezept gefunden hat, dann hilft die eigene Überlegung, der eigene Verstand weiter. Genauso nachkochen wie angegeben ist gut für Anfänger, aber nicht für versierte Köche. Je besser man sich mit dem Kochen auskennt, umso freier kann man rund um das vorgegebene Rezept improvisieren. Es ist eine gute Idee, das auch tatsächlich zu tun, um den Spaß am Kochen nicht zu verlieren.

Ich kann nicht kochen

Allerdings gibt es immer noch Menschen, die nicht kochen können. Tatsächlich handelt es sich dabei mehrheitlich um Männer, als wenn die Emanzipation nie stattgefunden hätte. Allen Ausreden zum Trotz lässt sich dieser Zustand recht leicht ändern, Kochen ist keine Raketenwissenschaft. Allerdings hilft ein schlichter Kochkurs in der Volkshochschule oft besser als die Orientierung an irgendwelchen Starköchen im Fernsehen oder anderswo. Perfektionismus ist eher hinderlich. Das gilt nicht nur fürs Kochen, auch fürs Abnehmen. Erstmal einfache Gerichte kochen, das kann tatsächlich jeder, danach dann an die komplizierten Sachen ranwagen. Es ist unter anderem ja auch eine Zeitfrage. Kaum jemand hat soviel Zeit, dass er den ganzen Tag mit der Zubereitung einer einzelnen Mahlzeit verbringen kann. Es ist also eine gute Idee, sich für den Anfang für solche Gerichte zu entscheiden, die in der verfügbaren Zeit fertiggestellt werden können.

Das Kochen einfacher Gerichte ist, wie die Bezeichnung vermuten lässt, einfach. Einfache Gerichte sind das, was im Alltag gefragt ist. Ausreden sind also genau das, Ausreden.

Ausreden

Wer nicht selbst kocht, hat oft ein schlechtes Gewissen und deshalb eine Menge Ausreden parat. Das kann durchaus das Abnehmen erschweren, wenn man nicht zu dem steht, was man tut. Deshalb ist es besser, Ausreden als Ausreden zu erkennen.

Keine Zeit zu haben ist die klassische Ausrede. Natürlich braucht Kochen Zeit, allerdings nicht so viel, wie viele vermuten. Es kommt stark drauf an, was man kocht. Es empfiehlt sich wirklich, auf Perfektionismus zu verzichten und stattdessen einfache, schnelle Gerichte zu kochen. Es ist die gleiche Ausrede, die viele Abnehmwillige am Sport hindert. Wenn man nicht von Anfang an so trainieren kann wie die Spitzensportler, dann macht es keinen Spaß, dann lässt man es lieber gleich ganz sein. Klein anfangen ist immer die Lösung.

Hinzu kommt, dass Essen wirklich wichtig ist. Ohne Essen gibt es kein Leben, das gilt für alle, ob sie gerade abnehmen möchten oder nicht. Für etwas so zentral Wichtiges sollte man ein wenig Zeit übrig haben. Oder alternativ mal drüber nachdenken, ob alle die Dinge, für die man Zeit hat, wirklich alle wichtiger sind.

Eine andere Ausrede bezieht sich auf die Nährstoffe, die im Essen drin sind. Es wird behauptet, dass in heutigen Lebensmitteln garnicht mehr genug Vitamine, Mineralstoffe undsoweiter drin sind, dass man also auch mit solchen Lebensmitteln garnicht gesund leben, geschweige denn gesund abnehmen kann. Auch wenn das nicht den Fakten entspricht, wird daraus gefolgert, dass es dringend notwendig sei, sich von Eiweißdrinks oder anderer Pulvernahrung zu ernähren. Das ist sehr praktisch, weil es auch das Zeitproblem gleich mit löst. Man rührt das Pulver in Wasser oder Milch ein, schüttet es runter und ist fertig. Kochen ist überflüssig, ist damit eindeutig bewiesen. Zumindest für den, der das ohnehin schon glaubt.

Praktische Tipps

Allen Ausreden zum Trotz, jeder kann kochen. Wer keine Lust dazu hat, tut vielleicht besser daran, ehrlich dazu zu stehen, statt sich hinter einfach Widerlegbarem zu verstecken.

Tatsache ist allerdings, wenn man keine Lust hat, dann fällt einem auch nichts ein, was man kochen könnte. Damit das nicht zur nächsten Ausrede wird, hilft es, sich ein paar Strategien zur Rezeptfindung zu überlegen. Inspiration kann man fast überall finden, man muss sich nur einen Plan machen, wo man anfängt zu suchen. Zum Beispiel kann man sich Stichwörter überlegen oder auch aus Listen raussuchen, nach denen man dann nach Rezepten sucht. Zum Beispiel kann man, wie früher, den Wochentagen bestimmte Gerichte, oder auch nur bestimmte Hauptzutaten zuordnen. Dann würde es zum Beispiel montags immer etwas mit Kartoffeln geben, dienstags immer etwas mit Reis, freitags Fisch undsoweiter. Auf diese Weise kann man die Informationsflut soweit eindämmen, dass man mit halbwegs gezielter Suche ein passendes Rezept findet. Dabei ist es durchaus erlaubt, sich von schönen Bildern verführen zu lassen.

Wer lieber spontan entscheidet, kann auch im Supermarkt von den Sonderangeboten ausgehen, was oft sinnvoll ist, denn die betreffen in vielen Fällen Produkte der Saison. Diese Vorgehensweise setzt allerdings voraus, dass man kochen kann, also auch spontan Rezepte kreieren kann.

Letztere Fähigkeit ist Übungssache. Je öfter man kocht, je eher man sich traut, Rezepte auch nach eigenem Gutdünken abzuwandeln, umso länger wird die Liste der Rezepte, die man auch spontan aus dem Kopf kochen kann, von denen man auch spontan weiß, was man dazu noch alles einkaufen muss. Kochen ist zu einem großen Teil Übungssache. Wer übt, wird immer besser. Das ist dann auch richtig gut zum Abnehmen.

Und schließlich, aufgeschlossen sein für Neues, mal was ganz anderes auszuprobieren, kann sowohl die Lust am Kochen steigern als auch die Menge der Möglichkeiten vergrößern, die einem zur Verfügung stehen. Zum Beispiel ist der frühe Frühling die Zeit, mit Sauerampfer zu kochen.

3 Kommentare

  1. Es ist eine Bereicherung, deine kompetenten Artikel zu lesen!
    Was die Eiweiß-Shakes und ähnliche Produkte anbelangt, gaukelt uns hier die Industrie vor, dass wir mit dem bisschen Pulver alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe zu uns nehmen würden – ähnlich wie bei den Babygläschen.
    Ich lehne solche Produkte nicht generell ab, nach dem Sport kann so ein Shake mal ganz lecker sein und wenn wir unterwegs gewesen sind, bekamen unsere Kinder auch mal ein Gläschen gefüttert.
    Aber selberkochen ist immer noch das Allerbeste – selbst wenn es mal nicht ganz so gut schmeckt!
    LG
    Sabienes

  2. Ich kann deinen Artikel wieder einmal nur unterschreiben und denjenigen, die noch nicht kochen können nur auf den Weg geben: versucht es einfach! Bis vor zwei Jahren bekam ich grad noch Nudelwasser aufgesetzt und ein paar Fischstäbchen in die Pfanne, mittlerweile traue ich mich selbst an schwierigere Sachen wie Braten & Co ran und die „einfacheren“ Sachen gehen sowieso frei Schnauze, rein mit Gefühl! Man muss es einfach nur mal versuchen!! =)

  3. Hallo Astrid,
    ich bin eher der klassische Kocher. Auch wenn ich mal im web etwas interessantes finde, so gehe ich nicht direkt auf die Suche nach neuen Rezepten.
    Meine alten Kochbücher von Dr. Oetker sowie meine Mama reichen völlig aus. 😉
    Manchmal fällt mir während des Kochens etwas ein. 😉
    Ich schaue gerne „Topfgeldjäger“ und bin froh, dass es die Rezepte online zu lesen gibt. 🙂
    Dennoch koche ich sie nicht alle nach. Dazu ist meine Lebenspartnerin nicht neugierig genug. 😉
    Das ist manchmal schade aber verhungern werden wir nicht. 😉

    LG Timm

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Beitragsbild: KucherAV/Shutterstock